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SchriftZeichen Impulse und Gedanken aus Leben und Glauben / Juli 2026

Schriftzeichen-07-2026
Datum:
1. Juli 2026
Von:
Daniel Scherer
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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

haben Sie schon einmal von Teresa von Ávila gehört? Nein? Dann wird es aber Zeit! Mir ist Teresa die Tage einfach so „über den Weg gelaufen“. Klar, das ist natürlich nicht im wörtlichen Sinn gemeint, da Teresa von Ávila im 16. Jahrhundert gelebt hat. Aber als ich neulich wieder einmal das Gotteslob in den Händen hielt und es aufschlug, landete ich direkt auf einer der Seiten. Neben den Noten und den Liedtexten stand dort einer dieser „schlauen“ Sprüche: „Der Herr schaut nicht so sehr auf die Größe der Werke, als vielmehr auf die Liebe, mit der sie getan werden. Teresa von Ávila“. Wow, dachte ich. Das hat was. Also schnell das Handy gezückt und Google befragt. Laut Wikipedia ist sie die „berühmteste Nonne des frühneuzeitlichen Katholizismus“. Seitdem geht mir dieser Satz, der Teresa zugeschrieben wird, nicht mehr aus dem Kopf.

Denn in einer Zeit, in der wir im Minutentakt per Smartphone über die vielen Dauerkrisen der Welt informiert werden, stört mich eines ganz besonders: Gefühlt werden wir nicht nur hier in Deutschland, sondern weltweit dauerbeschallt von populistischem Geschwafel, das es sich zum Ziel gesetzt hat, alles vermeintlich Andersdenkende zu unterdrücken und eine autoritäre Staatsform zu etablieren. Vielfalt, Offenheit und Toleranz haben da keinen Platz. Willkür, Skrupellosigkeit und offen zur Schau gestellte Korruption scheinen die Königsdisziplinen der Neuzeit zu sein.

Besonders deutlich wird dies, wie ich finde, in der Person von Donald Trump. Und ausgerechnet dieser feiert nun am 4. Juli die 250-Jahr-Feier zur Gründung der USA. Ein Land, das sich stets als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, der Offenheit und Toleranz gesehen hat, scheint zu einer Karikatur verkommen zu sein. Die Größe der Werke à la „Arc de Trump“ oder eines protzigen und vor Gold starrenden Ballsaals scheint das Wichtigste zu sein, das diesen Präsidenten interessiert. Und wir? Wir schauen staunend dabei zu und wissen nicht, ob wir darüber lachen oder weinen sollen.

Ich finde, dann kann es guttun, wenn einem eine Person wie Teresa über den Weg läuft. Sie scheint der krasse Gegenentwurf zu den ganzen Autokraten dieser Welt zu sein. Sie kann unseren Kompass wieder neu einnorden und uns verdeutlichen, worauf es für uns als Christinnen und Christen im Leben ankommt: die Liebe, mit der wir unsere Werke verrichten. Die Ordensschwester aus dem 16. Jahrhundert hat uns Menschen aus dem 21. Jahrhundert scheinbar einiges voraus, oder?

Jetzt, wo die DFB-Elf nach einer eher unterdurchschnittlichen Leistung bei der WM ausgeschieden ist und die Sommerferien vor der Tür stehen, haben wir vielleicht mal die Ruhe und die Gelegenheit, der Liebe unserer Werke nachzugehen.

Daniel Scherer, Gemeindereferent