Gemeinschaft der Gemeinden

Rheydt West

 

Pfarre Herz Jesu

Für jeden Sonntag, an dem wir nicht gemeinsam ohne Einschränkungen Gottesdienst feiern können, finden Sie an dieser Stelle einen Vorschlag, wie SIe daheim den Sonntag begehen können - inklusive eines Videos der Predigt eines unserer Seelsorger. Aufgrund ihrer Länge sind diese Videos manchmal etwas pixelig, wir hoffen, sie tun Ihnen trotzdem gut und verbinden uns untereinander in dieser Zeit.

 

Wortgottesdienstvorschlag zum Sonntag im Jahreskreis, 28.6.2020

von Roland Weber, Gemeindereferent

Wir möchten Sie, die Sie einen Sonntagsgottesdienst zurzeit nicht besuchen können oder mögen, einladen, die Form des Hausgottesdienstes, wie sie schon zu Beginn des Christentums üblich war, mit modernen Mitteln wieder aufleben zu lassen. Jeden Sonntag soll es einen Vorschlag auf unserer Webseite geben, der zum Feiern in der Familie oder auch allein anregen soll. 

Bitte geben Sie uns Rückmeldung, ob diese Art Ihnen gut tut.


 

Vorbereitungen

Ein Tisch, um den man sich versammeln kann, ist mit einem Strauß Blumen und einer brennenden Kerze geschmückt. Wenn möglich, sollte in der Mitte des Tisches außerdem ein Kreuz stehen oder liegen.

 

Kreuzzeichen

Wir sind versammelt im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Gott, der wie ein guter Vater, eine liebende Mutter für uns sorgt, Jesus Christus, der uns Gottes Liebe vorgelebt hat und der Heilige Geist, der uns zusammenführt ist mitten unter uns. Amen.

 

Einführung in den Gottesdienst

In diesen Tagen beginnen hier bei uns die Sommerferien. Ob die Kinder sich wirklich darauf freuen? Zwar hatten sie keine Ferien, aber es war doch alles so ganz anders und bleibt es vermutlich noch lange. Lehrer*innen, die mit viel Arbeitsaufwand und Engagement in den letzten Monaten den Schulbetrieb aufrecht gehalten haben, gehen völlig erschöpft in die Sommerferien und wissen nicht, wie es danach weitergeht. Denn Virologen befürchten eine zweite Welle, ob der Schulbetreib wirklich „normal“ anlaufen kann weiß niemand, die Unsicherheit bleibt. Auch in anderen Bereichen. Menschen sind in Kurzarbeit oder haben ihre Arbeit verloren, Betriebe gehen pleite, Verstöße gegen die Corona Bestimmungen häufen sich, Aggressivität und Gewalt nehmen zu. Betroffen sind oft insbesondere Kinder und Frauen.

Viele von uns sehnen sich nach Normalität und Sicherheit in der Planung. Doch es hilft ja nichts, da müssen wir gemeinsam durch, irgendwie, am besten gut.

Jetzt aber sind erst einmal Ferien. Zeit zur Erholung, zum Ausspannen, für die schönen Dinge des Lebens–auch und besonders in diesen Zeiten. Wie nutzen wir sie, diese Zeit?

Schaffen wir es, Ruhe zu finden und Kraft zu tanken für die Zeit danach?

Ich wünsche es uns allen!

 

Kyrie

Herr Jesus Christus,

du lädst uns ein, den Weg des Lebens mit dir zu gehen.

Herr, erbarme dich unser!

 

Du machst uns Mut zum unvergleichlichen Abenteuer der Liebe.

 Christus, erbarme dich unser! 

 

Du stellst ein Glück in Aussicht, das jede Mühe lohnt.

Herr, erbarme dich unser!

 

Tagesgebet

Gott, Schöpfer allen Lebens,

wir genießen die Sommertage, die Zeit der Erholung,

spüren Lebensfreude.

Du legst alles darauf an, dass wir das Leben für immer gewinnen.

Lass uns jetzt mit offenen Ohren und wachem Herzen hören,

wie der Weg dahin gelingen kann – mit Christus, deinem Sohn,

unserem Herrn, und in der Kraft des Heiligen Geistes.

Dich, den dreifaltigen Freund des Lebens, wollen wir ehren

jetzt und in Ewigkeit. Amen.

 

Lesung aus dem Brief an die Römer 6,3-4.8-11

3 Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind?

4 Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln.

5 Wenn wir nämlich mit der Gestalt seines Todes verbunden wurden, dann werden wir es auch mit der seiner Auferstehung sein.

6 Wir wissen doch: Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde, sodass wir nicht mehr Sklaven der Sünde sind.

7 Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.

8 Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.

9 Wir wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn.

10 Denn durch sein Sterben ist er ein für alle Mal gestorben für die Sünde, sein Leben aber lebt er für Gott.

11 So begreift auch ihr euch als Menschen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus.

 

 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Mattäus 10,37-42

37 Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert.

38 Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert.

39 Wer das Leben findet, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.

40 Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.

41 Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten.

42 Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist - Amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.

 

Gedanken zum Evangelium

Muss das sein, wird sich so der ein oder andere fragen.
Die Ferienzeit beginnt und wir haben endlich mehr Zeit für die Familie, für entspanntes Miteinander und gemeinsame Aktionen – und da bekommen wir von Jesus gesagt: Wer Vater oder Mutter, wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. Sommerzeit, laue Abende, endlich die Gelegenheit, es etwas gemütlicher angehen zu lassen – und da redet Jesus vom Kreuz-auf-sich-Nehmen und ihm nachfolgen. Muss das sein? Muss das gerade jetzt sein?
 
Die Leseordnung ist unbarmherzig. Wie das Leben auch manchmal unbarmherzig ist. Krankheit, eine Pandemie, ein Unglück oder der Tod fragen uns auch nicht, ob es uns gerade passt. Nun ist aber das Evangelium kein Unfall und kein Unglück, sondern das Gegenteil. Evangelium heißt ja „Frohe Botschaft“, „gute Nachricht“.
Wenn das kein Etikettenschwindel ist, wo bitte, ist dann die Frohbotschaft, die aufbauende Nachricht im Evangelium zu finden?
 
Vergleichen wir Jesus mal mit einem Ranger, der interessierte Gäste durch eine außergewöhnliche Landschaft führt und ihnen Schönes und Besonderes zeigt, an dem sie ohne ihn bestimmt vorbeilaufen würden. Der sie an Ziele bringt, die man allein nie erreichen würde, ja, die man nicht einmal als Ziele benennen würde. So ein Ranger schleppt keinen auf den Berg oder durch den Wald; gehen muss man selber. Und den Rucksack tragen auch. Und mitgehen wollen. Wer mit dem Kopf dauernd woanders ist und sich fragt, ob es nicht besser wäre, jetzt faul im Liegestuhl zu dösen, der hat keine Lust am Gehen, ist nicht wach für die Besonderheiten des Weges und des Wegrandes, der ist nicht offen für die Überraschungen des heutigen Tages, der ist nicht gespannt auf das Ziel. Nur mit Entschiedenheit und Einsatz kommt man an den Punkt, der zufrieden macht, an dem ich sage: Die Strapazen haben sich voll gelohnt! Was bin ich froh, dass ich die Mühe auf mich genommen habe. Und wie gut, dass ich mich zum Mitgehen entschieden habe!
Ich komme mit Einsatz, Entschiedenheit und auch Mut – und mit einem guten Führer – an Ziele, die alle Anstrengung wert sind.
 
Angenommen also, wir trauen Jesus zu, wie so ein Guide zu sein, wie ein Ranger, der einzigartige, wirklich lohnende Ziele kennt, für die sich jeder Einsatz lohnt, können wir ihm dann noch einmal neu zuhören?
Und dann vielleicht, entdecken wir, was seine unvergleichliche Einladung ist und was sie wert ist?
 
Was wir da heute im Evangelium hören, ist der Abschluss einer längeren Einheit, die mit der Wahl der zwölf Apostel begonnen hat.
Und diese Wahl war Jesu Antwort darauf, dass er sah, wie müde und erschöpft die Menschen sind: wie Schafe, die keinen Hirten haben und daher nicht zu den Weideplätzen finden. Deshalb bittet er Gott seine Freunde zu den Menschen auszusenden.
Und dann die heutige Passage: Wer Vater oder Mutter, wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich … Jesus spricht nicht die große Menschenmenge an, sondern seine 12 Freunde, die zu seiner Nachfolge berufen sind.
Er spricht also nicht uns an, sondern seine Nachfolger und Freunde.
Ich muss mich also gar nicht unbedingt direkt angesprochen fühlen.
Sondern könnte sozusagen zu den Menschen gehören, die müde und erschöpft sind und schon gar nicht mehr zu hoffen wagen, dass da jemand kommt, der Entlastung bringt.
Und wenn man so einem Boten Gottes dann einen Schluck Wasser anbietet oder gar einen Rastplatz, dann wird das bestimmt nicht vergeblich sein, sagt Jesus.
 
Aber das andere gilt natürlich auch: Jesus wählt und ruft ja immer noch. Auch mich? Weiß ich mich gerufen, geschickt zu Menschen, die müde und erschöpft sind? Zu Menschen, denen das Leben schwer mitspielt, die aus der Bahn geworfen wurden, die in eine Schuldgeschichte hineingeraten und darin gefangen sind? Vielleicht gibt es so beladene Menschen in nächster Nähe: in der Verwandtschaft, im Freundeskreis. Menschen, die jemanden brauchen, der einen Lichtblick bringt, heilendes Dasein schenken kann, ein Miteinander nach vielen Enttäuschungen.
Dann muss ich mich entscheiden, wem die Zeit, die Aufmerksamkeit, die Zuwendung jetzt gilt. Dann heißt es, die Last dieses Anrufs auf sich zu nehmen – wie Jesus es tat. Das Kreuz ist nämlich längst nicht immer aus Holz, aber immer liegt es quer zu meinen einfachen Glücksvorstellungen. Es ist das, vor dem ich mich sperre, vor dem ich zurückschrecke, weil ich Angst vor Konsequenzen habe und kommen sehe, dass es wehtut.
 
Dann nicht ausweichen und aufgeben, sagt mir Jesus. Und wenn ich mich dann tatsächlich einlasse auf die aktuelle Herausforderung im Leben, werde ich entdecken: Nur mit Entschiedenheit und Einsatz kommt man an den Punkt, der zufrieden macht, an dem ich sage: Die Strapazen haben sich voll gelohnt!
Was bin ich froh, dass ich die Mühe auf mich genommen habe, dass ich die Angst überwunden habe. Und wie gut, dass ich mich zum Mitgehen habe gewinnen lassen!
 
Falls sie in den Sommerferien zuhause bleiben noch ein Tipp von mir:
Vielleicht fahren sie mit ihren Lieben einen Tag in den Nationalpark Vogelsang in die Eifel und nehmen an eine Wanderung eines Rangers durch den Nationalpark teil. Ich kann Ihnen den Nationalpark mit seinen Führungen sehr empfehlen.
Machen wir uns in den Sommerwochen auf zu den Menschen und in die Natur.

Stille

 

Glaubensbekenntnis                  Gotteslob 3,4

 

Fürbitten:

Jesus Christus ist Gottes endgültiges Wort, das uns aufschreckt und wach macht, damit wir ins Leben finden. Ihn bitten wir:
 
Für alle, die jetzt Ferien und Urlaub haben: dass sie in Aktivitäten und in der Ruhe gutes Leben genießen können, das ihnen Lust macht auf deine noch größere Verheißung des Lebens.
Gott, unser Vater, wir bitten dich, erhöre uns.
 
Für alle, die mutlos sind, resigniert haben oder am Boden zerstört sind: um Sendboten des Neuanfangs, um Trost und starke Hoffnung aus dem Glauben.
Gott, unser Vater, wir bitten dich, erhöre uns.
 
Für alle, die du in deine engere Nachfolge rufst: um den Mut, wirklich mitzugehen, und um Menschen, die sie stützen und fördern.
 Gott, unser Vater, wir bitten dich, erhöre uns.
 
Für alle Christen: dass sie sich auszeichnen durch ihr Gespür für Solidarität und gegenseitige Hilfe.
 Gott, unser Vater, wir bitten dich, erhöre uns.
 
Für uns hier in Mönchengladbach: Entzünde unsere Herzen neu mit prophetischem Mut, mit dem Mut, Christus zu folgen.
 Gott, unser Vater, wir bitten dich, erhöre uns.
 
Für unsere lieben Verstorbenen: dass sie bei dir nun das volle Leben gewinnen.
Gott, unser Vater, wir bitten dich, erhöre uns.
 
Herr und Gott, nimm unsere Bitten an. Bleibe mit deinem Segen über all unseren Wegen, heute, morgen und alle Tage unseres Lebens. Amen.

 

Vater unser

Ob Sie allein sind oder mit mehreren Personen: Das Vaterunser stehend laut zu sprechen, tut gut in dieser Zeit.

Mit ausgebreiteten Armen die Welt mit hinein zu nehmen in Ihr Gebet, wird uns auch dann verbinden, wenn wir uns nicht real sehen können.

Vater unser im Himmel ....

 

 

Schlussgebet

Wort Christi, präge mich!
Geduld Christi, trage mich!
Kraft Christi, stärke mich!
Hände Christi, ergreifet mich!
Freude Christi, erlöse mich!
Atem Christi, belebe mich!
Geist Christi, erfülle mich!
Liebe Christi, durchströme mich!
Guter Gott, höre unsere Bitten.
So kann wirkliche Nachfolge immer mehr gelingen und Gestalt annehmen.

 

Segen

Segnen kann jeder jeden, denn Segnen heißt nichts anderes als seinem Gegenüber Gutes sagen und wünschen in dem Bewusstsein, dass der Funke Gottes in jedem Menschen leuchtet.

Welche Geste Sie gebrauchen, sollten Sie selbst entscheiden, auch je nach Vertrautheit: Einander die Hand auf die Schulter legen, das gemeinsame Kreuzzeichen oder auch ein Lächeln sollen Ihre Verbundenheit untereinander und mit Gott zum Ausdruck bringen.

Sind Sie allein?

Dann machen Sie selbst das Kreuzzeichen und denken an jemanden, der Ihnen am Herzen liegt.

 

An dem Wochenende, an dem die Sommerferien beginnen, sprechen wir traditionell den Reisesegen:
„Komm gut wieder“ oder „gute Reise“ sind liebevolle Abschiedsworte, die heute noch entfernt an einen Reisesegen erinnern. Nach christlichem Verständnis haben Menschen einen Reisesegen im Vertrauen an eine höhere Macht erteilt, die den Reisenden auf dem Weg unterstützt und ihm vor Gefahren beschützt. Der Zuspruch Gottes segnet sie. Das lateinische Wort für Segen "benedicere" bedeutet "gutsagen". Gott sagt uns Gutes zu. 
Vor allem in früheren Zeiten hatten die Menschen ein großes Bedürfnis nach Schutz und Begleitung, denn es gab weder Jugendherbergen, Hotels noch sichere Verkehrsverbindungen. Reisen war gefährlich. Diebe konnten einen überfallen oder wilde Tiere, man war auf die Gastfreundschaft der Einheimischen angewiesen. Mit Gott unterwegs sein, heißt allerdings nicht, dass alles glatt geht. Reisesegen heißt: Gott ist an Eurer Seite, was auch passiert.
Seine Wurzeln hat der Reisesegen in den uralten Geschichten des Alten Testaments der Bibel. Sie erzählen von Nomadenfamilien, die auf der Suche nach fruchtbarem Land unterwegs waren. So verlassen beispielsweise Abraham mit seiner Frau Sara ihre Heimat und ziehen los, ohne das Ziel zu kennen. Gott hat zu Abraham gesagt: Verlass deine Heimat und geh in ein Land, das ich dir zeigen will. Aber Abraham hat ein Unterpfand: den Segen Gottes. Gott sagt zu ihm: Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein. Segen hat beides: Selbst behütet zu sein. Und auf dem Weg gut für andere zu sein. 
 
So segne uns und begleite uns der liebende Gott, der uns nicht alleine zurücklässt, sondern bei uns ist und bleibt in Ewigkeit. Bleiben und leben wir in seinem Frieden!
 
Euch allen schöne, erholsame Ferien, genießt euch, die Natur und lasst eure Seele baumeln .

 

Auch der Hausgottesdienst macht jetzt erst einmal Ferien.

 

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