Gemeinschaft der Gemeinden

Rheydt West

 

Pfarre Herz Jesu

Kolpingwallfahrt 2018
 

„Es wohnt dort ein kerniger Menschenschlag, der offenherzig und frei gerne von dem erzählt, was man wissen möchte.“

(Artikel aus einer Gladbacher Tageszeitung von 1934).

Mit diesen Worten begann Werner Pongratz die diesjährige Kolpingwallfahrt für den Bezirk Mönchengladbach die den Anwesenden die Geschichte der Honschaft Ohler / Ohlerfeld mit Blick auf Migration, Ökumene, Glaube und Handwerk von den Nachkriegsjahren bis Heute näher brachte.

Die Wallfahrt begann direkt im Anschluss an einen mit ca 80 Gläubigen gut besuchten Wortgottesdienst in St. Konrad. Werner Pongratz begann mit einem historischen Einordnung der Honschaft von der französischen Besatzung des Rheinlandes 1797 über die Gründung des Bistums Aachens (1804) über den Bau einer Kapelle für Ohler (1854) über den Bau / Brand und Neubau der jetzigen Kirche samt  Grundsteinlegung (1963). Den Zuhörern erklärte Werner Pongratz mit Charme, Augenzwinkern und Humor die Lage, in der sich Ohler und später auch Ohlerfeld immer wieder befanden und welche Bedeutung die Brüder des Kamillus für den Glauben und die Gottesdienste hatten. Die Honschaft gehörte politisch/kommunal zu M’Gladbach und kirchlich zu St.Marien Rheydt - und Ohlerfeld gehörte kirchlich zu St.Michael Holt. Erst 1961 wurde Ohler/Ohlerfeld eine eigenständige Gemeinde. Nach diesem ersten geschichtlichen Exkurs, den Werner Pongratz sich durch Lektüre von unzähligen Chroniken, Gesprächen mit Zeitzeugen und schlussendlich auch seiner eigenen  Geschichte herausgearbeitet hatte, zogen die rund 40 Wallfahrtsbegleiter in ihren Bann.

Der Weg führte von unserer Kirche am Kapellchen vorbei über den Friedhof und seinen Kuriositäten (Haupteingang an einer Stelle, der für Ohler keinen Nutzen hat oder die sogenannte  Jordanpforte) entlang der alten Siedlungshäuser auf dem Hütterbaum. Das kraftraubende und harte Leben in den Nachkriegsjahren und die Migration aus Pommern, Schlesien und anderen Ländern stellte die Bevölkerung / Gesellschaft vor große Herausforderungen und führte zu einem „Hausen“ der Familien in kleinen Häusern mit teilweise ca. 15 Personen auf 84qm, aufgeteilt auf das Erdgeschoss  (Siedler) und Einliegerwohnung, samt Mittelvieh (Hühner, Ziegen, etc) im Erdgeschoss. Jeder musste seinen Betrag (ca. 5000 Std) beim Bau dieser Häuser leisten, und dies geschah im wahrsten Sinne des Wortes mit Spucke, Hacke und Spitze. Der hauptsächliche Unterschied zu jener Zeit bestand in der Konfession, die einen waren katholisch und die anderen evangelisch. Dies führte ungewollt zur Ökumene, da zur Einweihung der ersten fertigen Siedlungshäuser auf dem Engelsacker Bischof Johannes Joseph van der Velde zum einen und der ev. Superintendent Weiß aus M.-Gladbach zum anderen  anreisten. Im Jahre 1955 wurde der ev. Kirchsaal samt Kindergarten und Küsterwohung  der Gemeinde durch das Presbyterium übergeben. Die Wallfahrenden erfuhren im weiteren das in Ohler / Ohlerfeld Ökumene mit der Gründung der Bruderschaft 1961 mit der Entstehung des Ökumenischen Pfingstmontag Gottesdienst einen wichtigen Teil im Dorfleben gespielt hat und weiter spielt – gelebte Ökumene.
Den Abschluss bildete die letzte Station auf dem Ohlerkamp (Ladenstraße), bei der Werner Pongratz uns in die goldenen Zeiten zurückversetzte, als es hier vor Ort noch Bäcker (Werners Gesellenprüfung fand dort statt), Metzger, Pinte, Schreibwarenladen und Kontra-Markt gab. Im Landwehrritter fand bei mediterraner Küche und kühlen Getränken die sehr aufschlussreiche, humorvolle und bei bestem Wetter bei allen Beteiligten sehr gut angekommene Wallfahrt ihren Abschluss.
So mancher Ohleraner hat hier und da wieder etwas Neues über seine Heimat erfahren.
 
 
Maximilian Maritzen
 

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